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Reisebericht vom
Mittwoch, 3. September 2003

Der Tag und auch die heutige Reise beginnt mit einem guten einheimischen Kaffee im heimischen „Bahnhöfli“. 29 Mitglieder unserer Vereinigung lokaler Gewerbetreibender starten zur Abwechslung einmal gemütlich – die Jüngeren und Junggebliebenen nennen es „easy“. Dieser Tag, ist auch der Weiterbildung, der Kollegialität und Freundschaft gewidmet und soll doch einmal eine kreative Pause im harten Berufsalltag bringen.

Teil 1 -High Tech und Natur

Der „Knöpfel-Bus“ bringt uns auf geradem Wege zum Airport UNIQUE. Unique ist die aktuelle und moderne Bezeichnung unseres immer noch moderner werdenden „Flughafen Kloten“. Zudem steht wohl das Wort „Unique“ auch für etwas „Einzigartiges“. Unique wurde auch schon mit Munich (München) verwechselt, was anglikanisch ausgesprochen durchaus verständlich erscheint. – Ja, so stehen wir also an unserem nationalen Gross-Airport, unserem einstigen Nationalstolz, als wir noch eine grössere nationale Airline mit internationalem Renomée hatten. Und siehe da, wir werden von einem „Jagdaufseher“ begrüsst. Richtig, der Mann des Tages ist Peter Oberli. Er begrüsst uns und sofort wird auch den letzten Zweiflern klar, dieser Mann hat alles im Griff. Peter Oberli führt uns schnell durch die belebte Check­In-Halle in’s Freie, auf die Zuschauerterrasse. Natürlich werden wir alle gefilzt, genau und mit Schweizer Präzision. Sogar attraktive Gürtelschnallen müssen ausgezogen werden, den zusätzlich montierten Hosenträgern sei Dank – alles OK.

Ein leicht nostalgisch anmutender Flughafenbus mit Anhänger wartet auf uns. Ein eigens dafür eingesetzter und bestens ausgebildeter Kommentator erklärt uns die Situation. Gespannt verfolgen wir die Fahrt unter Jumboflügeln hindurch, bei den „alten“ Terminals (A + B) vorbei und schliesslich durch einen doppelspurig geführten Tunnel zum „Dock Midfield“. Wie der Name schon sagt, er steht Mitten im Felde, rundum frei und mit genügend Platz für viele Flugzeuge. Dieser soeben eingeweihte Terminal wird über eine High-Tech-Bahn mit Passagieren beliefert. Es handelt sich um eine Art „Luftkissenbahn“, die mit Stahlseilen effizient, schnell und lautlos gezogen wird. Man schwebt schon am Boden wie im siebten Himmel oder hebt man schon am Boden ab, vor dem effektiven „Take Off“? – Die eine Hälfte der Anlage wird bereits für den Flugbetrieb benutzt. Wir werden jetzt durch die anderen, sich noch im Bau befindlichen Hallen geführt. Uns erwartet eine wunderschöne Terrasse. Ein einmaliger Ausblick auf das Flugfeld und die angrenzenden Hügel und Dörfer wird uns geboten. Das ganze Deck wird von einem gut zwei Meter breiten Gürtel aus blauen „Prosecco“-Scherben gesäumt. Die einen finden die Idee des Architekten gewagt, die anderen (der Grossteil) erinnern sich sofort an einen längst fälligen Apéro. Hier haben wir Zeit für Fragen. Der geschulte Kommentator gibt besonders gezielte Auskunft über alle technischen Details, wie etwa die nahe „Flugzeug-Enteisungsanlage“ und nennt Zahlen, was die Kosten und das Bauvolumen betrifft. Unser Peter Oberli (übrigens in Wiesendangen wohnhaft) liefert zusätzliche Informationen über die Harmonie mit der angrenzenden Natur, die Schutzgebiete und die Möglichkeiten, wie man anfallende Schadstoffe fachgerecht entsorgt und wieder­verwendet.

Wir fahren nun immer weiter durch die ehemalige Sumpflandschaft, über Naturstrassen und Wege. Wir erfahren auch immer mehr über die Natur, teilweise fallen markante Sprüche unseres Führers, Kommentare, die schon bereits an national bekannte Kabarettisten erinnern. Peter Oberli macht uns vor allem auf die Gefahr von Vögeln aufmerksam. Kommt nämlich einmal eines dieser lieben Tiere in eine Flugzeugturbine, so kann das verheerende Wirkungen haben. Abgesehen vom Tier wird die Turbine beschädigt, was bis zum Totalausfall und schweren Verlusten führen kann. Denn mit zunehmender Technik und Präzision werden die Maschinen in dieser Hinsicht auch immer sensibler. Ja, früher, mit den Propellerflugzeugen war das noch einfacher; der Propeller wurde vielleicht etwas verbogen. Somit wird klar, dass Fortschritt auch zusätzliche Problemstellungen nach sich ruft. Dies wiederum beantwortet uns auch die Frage, was wohl ein Jagdaufseher an einem High Tech-Standort zu suchen hat. Er zeigt uns einen dieser majestätischen Graureiher. Sie sind „Langsamflieger“ und somit eine Gefahr für den Flugbetrieb, da sie nicht sofort und schnell genug dem herannahenden Düsenjet ausweichen können. Besonders aufmerksam wird auch geachtet, dass sich keine Vogelschwärme auf dem Gelände befinden, denn eine solche unkontrollierte Flugbewegung wäre in der Tat katastrophal. Anektoten oder der Versuch, die Vögel zu vertreiben gibt es einige, so wurde zum Beispiel einmal der Versuch gestartet, mit Lärmkanonen, lauten Geräuschen, die Tiere zu vertreiben. Ein anderes Mal wurden Pfeiftöne eingesetzt und sogar einmal tierische Schmerzsignale über Lautsprecher abgespielt, die ursprünglich in der Vogelwarte Sempach aufgenommen wurden. „Alles Unsinn!“ lästert unser Experte. Zuerst fliegt der Vogel schon davon, doch danach kommt er neugierig zurück – wie der Mensch ebenso – und fragt: „Was isch dänn da loos?“

Wir nähern uns nicht nur der Météostation und der Mittagszeit (High Noon again), sondern jetzt wird auch ein willkommener und erfrischender Apéro serviert. Übrigens von hier aus werden sämtliche Wetterdaten in die ganze Welt verschickt. Flugsicherheit hat auch mit den bestehenden Wetterverhältnissen entscheidend zu tun.

Vorbei geht’s an einer Satellitenstation der Feuerwehr. Bald darauf sehen wir , wie auch die „gestressten“ Feuerwehrmänner (von Frauen war keine Rede – sorry) ihre Ablösung bekommen. Peter Oberli bemerkt lakonisch, welch hartem Tagesablauf die trainierten Spezialisten ausgesetzt sind. Daneben passieren wir ein Trainingsgelände eben genannter Männer, mit einer alten Flugmaschine mittleren Typs bestückt. „Dies ist eine der grössten Vogel-Brutstätten im ganzen Areal.“ Auch hier also wieder die Natur im Einklang mit der hochgelobten Technik. In der Nähe der Rollfelder findet man auch viele Orchideenarten. Sie gedeihen in dieser Umgebung ausgezeichnet und da alles umzäunt ist, kommt auch kein lustiger Wandersmann und pflückt sie ab.

Vorbei ziehen wir auch am Hauptsitz der Flughafenbetreiberfirma, an einem Hochsicherheits-Gefängnis, der renaturierten Glatt (Fluss); daneben folgt uns auf Schritt und Tritt der neue, naturgrüne Flughafenabgrenzungszaun mit massivem Betonfundament. Unser Konvoi fährt zu guter Letzt durch eine riesige Halle mit vielen Räumungsfahrzeugen, Pfadschlitten, Unterhaltsmaschinen, Traktoren, etc. und schlussendlich steigen wir vor der imposant wirkenden Werkhalle aus. Im Innern stellen wir ehrfürchtig fest, dass sogar eine MD-11 bei diesen Dimensionen klein wirkt – echt, man muss es gesehen haben! Ganz am Rande steht ein altes SWISSAIR-Flugzeug – in knalligem Rot. Wohl eines der ersten Flugzeuge der damaligen Airline. Es werde nun gerätselt, wer wohl der heutige Besitzer sein könnte, die einstige Firma gibt’s ja nicht mehr. Später machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Zollamt und seinen Hallen. Auch hier stossen wir auf etwas technisches, ebenfalls in knalligen Rot lackiert. Die männlichen Besucher identifizieren es als ein Sportwagenmodell aus Maranello. Dahinter folgt noch die Jet Aviation und noch weiter hinten, am Rande des Geländes die „REGA“ (Alarm: 1414, Anmerkung des Verfassers – nur für Notfälle“).

Vorbei auch an der alten Flugzeugwartungshalle, einem mittlerweile geschützten Nostalgie-Bau von damals. Wir lassen „Gate Gourmet“ die Cateringfirma links liegen, werden uns aber bald wieder daran erinnern, wenn wir in der gepflegten Kantine den Lunch geniessen. Gemütlich sitzen wir bald alle zusammen, inmitten „unseres“ Flughafens. Zwischendurch: „Log deet, häsch gseh, der Thai-Jumbo flüüüüügt dävo, wau!“

Teil 2 -ab jetzt nur noch „Natur pur“

„Warum ist es am Rhein so schön?“ Das hat wohl jeder schon gehört und sich gefragt, was dieser Spruch soll. Der liebe Vater Rhein ist doch schon längst überdüngt und und und ... Doch beginnen wir von vorn. Unser Bus mit unserem Chauffeur Bruno bringt uns sicher an die Gestade des Rheins, an die malerische Schifflände von Eglisau. – Zur Erinnerung: der Rhein ist der längste Fluss des westlichen Mitteleuropa, ca. 1'320 Kilometer lang vom Bündnerland bis in die Nordsee. -Wir nehmen Backbord (links) und Steuerbord (rechts – „isch doch logisch, da hockt au dä Kapitään mit em Stüürrädli“) auf dem überdimensionalen Weidling Platz. Wir wundern uns über den geringen Tiefgang des Bootes, wir werden es bald erfahren. Kühler Rhein draussen, gekühlter Weisswein vom nahen Buchberg drinnen. Wir prosten uns fröhlich und immer fröhlicher zu. Auch die Sonne gibt ihren Segen, ja, wenn Gewerbler reisen, lacht halt die Sonne... (was hat das mit Engeln zu tun?). Teils steile und sehr dicht bewaldete Ufer säumen den Fluss. Die Böschung ist teilweise stark befestigt, um ein Abfallen durch die vorbei fahrenden Wasserfahrzeuge zu verhindern. Wir alle staunen, frohlocken und beobachten, wie klar „unser“ Rhein ist. Unglaublich sauber, rein, durchsichtig, beinahe unwirklich erscheint uns das Wasser. Wir sehen es glasklar! -Fische, grosse und kleine, dicke und dünne, tollen und schlängeln sich durch die Fluten. Alle leben sie noch und wieder. Der heisse Sommer hat schon seinen Tribut gefordert, der Äschenbestand (Edelfischart, besonders von Gourmets geschätzt) wurde unter anderem wegen der enormen Hitze drastisch reduziert. – Tössegg, Flaach, Rüedlingen, schönste Naturreservate und jetzt kommt auch eine erste ernsthafte Untiefe, doch der Kapitän wacht. Beim Zulauf der Thur in den Rhein bemerkt ein aufmerksamer Gewerbler, der Präsident höchstpersönlich, dass es sich hier um eine Biberkolonie handelt. Abgeholzte Baumstämme und Ansätze einer Biberburg zeugen davon. Also weiter geht’s mit Naturkunde, Peter Oberli lässt grüssen. Wir überwinden eine Stauwehr, einmal mit dem Boot, ein anderes Mal wird das Boot gewechselt. So viel schöne und offensichtlich geschützte Natur so nahe von Zuhause, das gibt unserem Ausflug noch den zusätzlichen Erholungswert. Rheinau: “Alle Mann von Bord, Frauen zuerst! Schiff ahoi und Dank an den Kapitän!“

Teil 3 -„unser“ Zürcher Weinland

Marthalen, Benken, Trüllikon, Truttikon, Ossingen. Beim Rebgut von Hans Wiesendanger endet die letzte Etappe. Der Winzer zeigt uns anhand der Blauburgundertrauben an seinem umsonnten Rebhang das Reifestadium. Es folgen Erklärungen über Bepflanzung, Bewirt­schaftung und Düngung, bis hin zur Lese, hier „Wümmet“ genannt. Dieses Jahr früher zu erwarten, dank dem Super-Sommer. „Die Hoffnung keimt, dass es auch einen „Super-Jahrgang“ (français: millésimé) geben wird“ verrät Hans Wiesendanger stolz. Doch dies entscheidet nicht nur der Wettergott, auch der Kellermeister beeinflusst die endgültige Qualität massgebend. Nach der Orientierung im Freien wechseln wir in die Kellergewölbe. Ein moderner Betrieb erwartet uns. Wir werden fachgerecht über den Ablauf der Weinherstellung aufgeklärt, von der Anlieferung, über die Presse und die Kelterung bis zur Abfüllanlage. Erstaunt ist wohl auch mancher über die Vielfalt der verschiedenen Weinsorten, die hier vinifiziert werden.

Unser eigentliches Ziel ist aber im Geheimen das „Vinoir“. Hier handelt es sich um ein stillgelegtes Wasserreservoir, in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses. Vinoir wohl auch deshalb umgetauft, da sich im Innern alles um den Rebensaft dreht und die Eichenfässer – die „Barriques“ -hier ihre Reife erwarten. Hans Wiesendanger beginnt mit der Präsentation seiner respektablen Kollektion. Wir beginnen mit einem prämierten Riesling x Silvaner, es folgen weitere Weiss-und Roséweine. Es muss nicht nur einheimischer Blauburgunder sein, ein angenehmes Muster eines eben erst aus dem Fass befreiten Zweigelt (ursprünglich aus Österreich) beeindruckt positiv. Uns fällt der Strohwein auf. Er darf getrost mit einem Amarone (aus dem Valpolicella, Nähe Verona, Veneto, Italia) verglichen werden. Seine Haltbarkeit kann durchaus 20 Jahre betragen. Also wird’s wohl für den Nachwuchs auch noch etwas zum Geniessen geben. Ein alkoholhaltiger Wein, wohl eher für einen Abend vor dem Cheminée und auf dem Bärenfell davor gedacht.

Natürlich darf auch ein Plättli mit Fleisch nicht fehlen. Brot allein rettet noch keine erfolg­reiche Weindegustation. Dazu werden ein paar Gemüsedipps serviert und man merkt, dass vegetarisch immer beliebter wird, es hätte davon sogar mehr im Angebot geben dürfen: „Man trinkt und isst bewusster ...“

Während des Gespräches werden auch wichtige Themen, wie etwa die optimale Weinflaschenlagerung oder der ideale Zeitpunkt und die Weinreife angeregt diskutiert und natürlich vom anwesenden Fachmann korrigiert. Man darf bei dieser Gelegenheit auch eine Parallele zum weltbekannten Burgund „Bourgogne“ im Nachbarland Frankreich ziehen. Der Pinot Noir, der Blauburgunder also, ist dort die einzig erlaubte Rotweinsorte. So muss es doch auch etwas am Terroir, am Gelände und der Bodenbeschaffenheit, liegen, dass wir hier nur „einfachen“ Ossinger Blauburgunder herstellen.

Zum Abschluss verzaubert uns noch ein denkwürdig romantischer Sonnenuntergang über dem gewaltig erscheinenden Irchel (-Gebirge oder –Massiv?) die Heimreise ins traute Rickenbach.

Danke nochmals an die Organisatoren mit ihren wertvollen Beziehungen, um einen solchen Ausflug unterhaltsam gestalten zu können und natürlich auch Danke allen Mitgliedern des GVRU für’s Mitmachen. Und einmal mehr wird es die Daheimgebliebenen necken, diesen Tag nicht auch für unseren Verein frei gemacht zu haben – wir freuen uns schon auf den nächsten Ausflug. Dazu sei zu bemerken, dass im Jahre 2004 schon wieder ein mehrtägiger Trip auf dem Programm steht. (Insider erinnern sich wehmütig, freudig und glücklich an Budapest 2002 oder Paris 2000)

Für den GVRU: Fredy Keller

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