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2005 „Val de Travers“ Abfahrt 07.00 Uhr am Bahnhof RickenbachAttikon. „Fahrt mit dem bequemen und modernen Reisecar von Knöpfel Reisen in Dinhard nach La Presta“(tönt „La Presta „ nicht irgendwie italienisch?) so die erste Vorgabe unseres Organisators Fritz Bachmann. Ein wirklich schöner Reisebus und Platz ist diesmal überaus reichlich vorhanden – nur ein gutes Dutzend („Wo sind die anderen nur geblieben, sag mir wo?“) vom „Gewerbeverein Rickenbach und Umgebung“ nimmt Teil. – Ein hochwertiges, kulturell interessiertes und engagiertes Dutzend! Unser lieber Fritz hat nicht nur seinen lieben Schatz, die charmante Isabel, mitgenommen, er hat auch jedem von uns ein wertvolles Frühstückspaket geschnürt – Getränk, Vitamine, Obst und so – muntert jeden schon auf. Autobahnfahrt durchs Mittelland, für die einen das erste Mal durch den „neuen“ BareggTunnel mit seinem vielgepriesenen DreiRöhrenSystem. Irgendwann kommt „Biel – Bienne“ und Schwupps haben wir den Röschtigraben übersprungen und befinden uns in der zweisprachigen Gegend, der „zone bilingue“, am romantischen BielerSee. Zeit für einen Kaffeehalt. Hierbei reagiert unser Marcel spontan und bezahlt eine Runde „s’isch eifacher für s’Fröilein im Service“ Merci Marcel! Neuchâtel – Neuenburg wird, wie auch zuvor die Ortschaft Twann, mittels Tunnel unterfahren und somit kaum wahrgenommen. Der Wegweiser nach Pontarlier, französischer Grenzort am bereits schiffbaren Doubs, weist uns die Richtung. Präsident Edi und Chauffeur Bruno ergänzen sich im Kommentieren der geografischen und historischen Angaben und Sehenswürdigkeiten. An der Areuse entlang, als Quelle allen natürlichen Reichtums des ValdeTravers gepriesen, erreichen wir gegen halb elf Uhr das bereits erwähnte, französisch sprechende „La Presta“. Zielstrebig steuert unser Monsieur Fritz ins Restaurant und versucht mit ostschweizerischer Genauigkeit auf seine Dringlichkeit, mit viel Höflichkeit und natürlich extremer Gründlichkeit, zu den Tickets für die Führung in den Asphaltminen zu kommen. Lässige Gelassenheit und légères Verhalten, gepaart mit „un petit peu“ welschem Charme bringen ihn zur Vernunft und später auch zur erhofften Besichtigung seiner schon lange angemeldeten Gruppe. „Pardonnezmoi Monsieur, c’est différent chez nous!“ – Die Asphaltminen: Europas grösstes Asphaltvorkommen wurde 1711 in Travers entdeckt und während fast drei Jahrhunderten ausgebeutet. Es entstand ein riesiges Labyrinth von Stollen und Gängen, deren Gesamtlänge nahezu 100 Kilometer beträgt. Die Anlage ist ganzjährig geöffnet, gleichfalls der angegliederte Restaurationsbetrieb. Begeistert und vielleicht schon von den Feen bezaubert verlassen wir die Stollen, es folgt – genau im Timing – ein kleiner Apéro: Absinth, was denn sonst. (Absinthe mit „e“ am Schluss = „français“, ohne „e“ = „allemand“) Das Mittagessen wird mit einer besonderen Spezialität gekrönt: heisser Beinschinken im Asphalt gekocht. Das Rezept kann nur erahnt werden – „très secret“! Allen schmeckt es, die Stimmung steigt noch mehr, als das „parfait à l’absinthe“ als regionale Dessertspezialität gereicht wird. Die AbsinthTrocknerei in Boveresse steht auf dem Nachmittagsprogramm. Bei strahlendem Sonnenschein besichtigen wir mit einer Dame den imposanten Holzbau. An und für sich schon ein Studienobjekt, so wie das Gebäude mit Wellblech regelrecht eingepackt wurde. (Mario Botta und Christo lassen grüssen) Der überdimensionale „Schopf“ wurde für die Trocknung von Wermut und anderen zur Herstellung der „Grünen Fee“ nötigen Pflanzen errichtet. 1910, nach dem offiziellen Verbot der AbsinthHerstellung, wurde die einstmals stolze Trocknerei zweckentfremdet. Seit 2002 ist hier eine historische Dauerausstellung über den Anbau und die Entstehung des einmal mehr gelobten Absinth untergebracht. Eine kleine Kneipe mit Gartentischen lädt zudem zur „kontrollierten“ Degustation ein. Die einen lieben es, die anderen noch mehr, Suchtgefahr nicht ausgeschlossen. Dank dem eingehaltenen Zeitplan erlaubt uns Chauffeur Bruno noch einen kleinen Dorfspaziergang in Môtiers. Hier kann man sogar „AbsinthWürste“ – natürlich mit einer kleinen AbsinthProbe – essen. Kulinarisch begeben wir uns heute auf Neuland, zumindest aus Ostschweizer Sicht. Der Rest der Reise ist schnell erzählt: Rückfahrt – „au revoir pays des fées, de l’absinthe et des saucissons ...“ Zum Abschluss werden wir in der heimatlichen „Mühle Rickenbach“ nochmals kulinarisch verwöhnt. Die Geselligkeit bleibt, der Absinth fehlt. „Sitzä, plauderlä oder es sich eifach guet ga laa bis mä wet heigoo ...“ die letzten Worte des Organisators. Anhang: Absinth .. Bahn frei für ...“la bleue“ ... Alles begann im Jahre 1797 im ValdeTravers, in Couvet, genauer gesagt in der alten kleinen Waschküche der Herberge „L’Ecu de France“, als HenriLouis Pernod die aller erste industrielle AbsinthDistillerie der Welt errichtete. Der Absinth mit seiner subtilen Kräutermischung und seinem neuartigen Geschmack eroberte nun sehr bald die Schweiz, um sich schlichtweg zum Nationalgetränk erheben ... Erst war es nur die höhere Klasse, bald aber schon alle sozialen Schichten, die dem Charme der grünen Fee unterlagen. Doch kurz danach, als „Grüne Gefahr“ und Symbol des Alkoholismus angeklagt, wurde der Absinth Opfer seines Erfolges. Die AntiAlkoholLiga, sowie die Vertreter der Weinkultur hielten die „Grüne Fee“ verantwortlich für alle sozialen Abweichungen und verursachten ihr Todesurteil durchs Schweizervolk am 5. Juli 1908, mit Vollstreckungsdatum am 7. Oktober 1910. Nach der Trauerzeit rebellierte die Fee und installierte sich heimlich im Untergrund. Seit 1925 hob sie den Schleier vom Gesicht und intensifierte ihre Produktion. Während ganzen 95 Jahren hat der Absinth den Ruhm des ValdeTravers getragen. Frohes Tal, in dem man das Gesetz trübt ... Ab 1. März 2005 kann der seit 1910 verbotene Absinth wieder ganz legal konsumiert werden. Dies ist das vom Bundesrat festgelegte Datum der Amnestie. Durch Qualität und Echtheit des Produktes und durch die Herstellung des feinsten Absinths, hat die Region eine klare Chance ihre ökonomische Lage zu dynamisieren und Touristen aus der Schweiz und dem Ausland anzuziehen. Sicher nicht zuletzt, weil der Absinth auch vorzüglich zum Zubereiten von regionalen Desserts und Kochrezepten verwendet werden kann, z.B. eine mit Absinth flambierte Saucisson aus Neuchâtel. Kontakt: www.absinthe.ch Teilnehmer: |